
Bílina kyselka/Bilin-Sauerbrunn, eine Wanderung von gut sieben Kilometern, mit grandiosem Ausblick, Freibad (200 Kč) und Goethebezug. Die Tour ist mit einem grünen Balken bzw. Dreieck markiert. Sie führt vom Bahnhof/Parkplatz Kyselka über den Fluss Bílina/Biela, durch eine Unterführung unter der Schnellstraße Teplice-Most hindurch, anschließend – hier muss man auf die Orientierung achten – über eine Brachfläche und an einem Wohnviertel vorbei. Dann geht es über eine Wiese und durch einen Wald (dort erste Weggabelung links) zum Bořeň/Borschen, einem Klingstein-Monolith (vulkanisch), der wegen seiner Form auch Biliner Löwe genannt wird.
Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, bei Nässe/Schnee meiden. Belohnt werden die Mühen mit der Aussicht vom Gipfelplateau auf Landschaft und Natur, Launer Steppenberge, Böhmisches Mittel- und (ein breit gezogenes Band im Norden und Nordwesten) das Erzgebirge, aber auch auf Braunkohletagebaue und -kraftwerke, Ausdruck der Schwerindustrialisierung Nordböhmens in der ČSSR der 1960er- bis 1980er-Jahre.
„Abends mit Beethoven nach Bilin zu gefahren“
Alexander von Humboldt war oben. Goethe, stark an Erdgeschichte und der Vulkanismus/Neptunismus-Kontroverse seiner Zeit interessiert (entstammen die Steine dem Feuer oder dem Meer?), kam als Kurgast im nahen Teplice/Teplitz mehrfach herüber, teils in ebenso prominenter Begleitung. Am 20. Juli 1812 notierte er in sein Tagebuch: „Gebadet [Kurbad Teplitz]. Um 9 Uhr mit [Karl] F[ürst] Li[ch]nowski in dem Gartentempel der Kayserinn vorgelesen. Elegien II. besonders gut aufgenommen. Mittag an Tafel. Abends mit Beethoven nach Bilin zu gefahren.“ Die erste Begegnung der beiden am Tag zuvor in Teplitz ist durch eine Anekdote berühmt geworden, die den Komponisten selbstbewusst gegenüber den Autoritäten zeigt, während der Dichter eher untertänig und wenig vorteilhaft wirkt.
Knapp ein Jahr später, am 28. Mai 1813, ging Goethe auf den Berg hinauf. Sein Tagebuch vermerkt: „Am 12. Buch [von Dichtung und Wahrheit] redigirt, am 11. mundirt. Zum 24. Mal gebadet. Zeitig gegessen. Nach Bilin. Mit Dr. [Franz Ambrosius] Reuß nach dem Felsen, den das Volk Borschen nennt. Geologische Unterhaltungen und Nachricht von mancherlei vorkommendem Gestein in Böhmen. Der Biliner Fels ruht unmittelbar auf Gneis, von welchem man Stücke im Klingstein entdeckt. Abends Macbeth./ Schöner, klarer Tag.“
Im Kurpark (19. Jh.) mit alkalischer Heilquelle gibt es ein Reliefbild, „Goethe – dem Schützer unserer Heimat“ gewidmet. Das klingt mehr nach Lohengrin als nach Dichterfürst und scheint der Entstehung in der ersten Hälfte des 20. Jh. geschuldet. Ein Denkmal erinnert an Goethes Gesprächs- und Wanderpartner, den Geologen und Kurarzt Reuß, und dessen Sohn August Emanuel, die für die Entwicklung Sauerbrunns von Bedeutung waren.
TOUR AUF KOMOOT/MAPY.CZ
* Die Darstellung auf Komoot entspricht der oben beschriebenen Strecke.
* Mapy.cz zeigt den gesamten offiziellen, etwas längeren Wanderweg, beginnend am Bahnhof in der Stadt (statt ab Bílina kyselka).
VERWENDETE LITERATUR UND TIPPS
* Goethes Tagebücher auf zeno.org
* Kaj Kinzel: Rother Wanderführer Böhmische Schweiz mit Böhmischem Mittelgebirge, Rother Bergverlag, 2. Aufl., München 2023, 224 Seiten, 19,90 Euro.
* Martin Krsek: Beethoven 250 – Das verschollene Bildnis einer vergessenen Begegnung (gemeint ist die in Karlsbad, Website des Goethe-Instituts 2020)
* Goethe-Zeichnung des Borschens vom Besuch im August 1810 (in der Datenbank der Klassik Stiftung Weimar)
AUSSTELLUNGEN, VERPFLEGUNG, EINKEHREN
* Muzeum Bílinská kyselka – Ausstellung zur Geschichte des Heilwassers und von Sauerbrunn
(bei meinem Besuch im Juni wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, laut Website bis 9. Juli)
* Gasthaus und Biergarten U Kádi („Zur Wanne“, mitunter Livemusik), neues Café an den Tennisplätzen
* Supermarkt Albert Bílina (täglich bis 21 Uhr), Lidl, Penny
(Stand 06/2026)






