„Ort und Werk“: Goethe, Ach wie bist du mir, gesprochen auf dem Totenstein bei Elgersburg

Die Reihe „Ort und Werk“ auf Poetenwege.de stellt Gedichte und andere literarische Texte vor, gesprochen an Schauplätzen der Handlung oder dem jeweiligen Ort ihres Entstehens.

Am 7. August 1776, im ersten Jahr Goethes in Weimar und seiner Bekanntschaft mit Charlotte von Stein, verfasste der Dichter in Elgersburg im Thüringer Wald einen Tag nach einem Tête-à-tête mit seiner Angebeteten in der Hermannsteiner Höhle ein später viel zitiertes Gedicht. Es formulierte die Zwiespältigkeit seiner Gefühle für die sieben Jahre ältere, verheiratete Weimarer Hofdame.

Wo genau in Elgersburg Goethe die Verse schrieb, wird unterschiedlich angegeben. Goethe selbst berichtet in seinem Brief an Frau von Stein, er habe auf „Wizlebens Felsen, die herrlich sind“ gesessen. Witzleben – das war die Adelsfamilie des Weimarer Haushofmarschalls, dem Elgersburg, das dortige Schloss und offenbar auch die Felsen gehörten. Und Goethes Tagebuch verzeichnet: „nach Tisch hohen Fels weeg! Allein.“ Damit kommen zwei Orte in Frage: der 1837 nach dem Dichter benannte und mit einer Namenstafel versehene Goethefelsen im Körnbachtal oder der Totenstein, Teil einer Felspartie, die sich zwischen Schloss und Ortskern auf der einen und dem Körnbachtal auf der anderen Seite befindet. 

Die Aufnahme entstand auf dem Totenstein mit Blick Richtung Körnbachtal.

👉Das Video finden Sie hier bei Instagram, die dazugehörige Tourbeschreibung lesen Sie hier.

Der junge und der alte Goethe: Mit dem Dichter in und um Elgersburg

Der offizielle Goethewanderweg von Ilmenau über den Schwalbenstein und den Kickelhahn nach Stützerbach lässt Elgersburg sprichwörtlich links liegen. Als Abstecher und Ergänzung gehört der Ort aber dazu. Im August 1776, im ersten Jahr Goethes in Weimar und seiner Bekanntschaft mit Charlotte von Stein, verfasste der Dichter hier einen Tag nach einem Tête-à-tête mit seiner Angebeteten in der Hermannsteiner Höhle ein später viel zitiertes Gedicht. Mehr als fünfzig Jahre danach – an seinem 82. Geburtstag 1831 – kehrte Goethe mit seinen Enkeln hierher zurück.

Die verbürgten Plätze lassen sich mit einem Spaziergang von wenigen hundert Metern erkunden. Der Tourvorschlag macht daraus eine etwa zehn Kilometer lange, leicht abwandelbare Wanderung rund um Elgersburg. Außerdem zitieren wir einen ominösen Klebezettel in einem verschollenen Gästebuch.

Die Tourbeschreibung lesen Sie, wenn Sie hier klicken.

Auf Instagram gibt es wieder eine Zusammenfassung.

Ausstellungen und Museen: Von Bettwanzen und Bildungsgewinnen – Auf Reisen mit Goethe und in der Goethezeit

„Die Reise gleicht einem Spiel, es ist immer Gewinn und Verlust dabey, und meist von der unerwarteten Seite, man empfängt mehr oder weniger als man hofft“, schreibt Goethe 1797 aus der Schweiz an Schiller. Und weiter: „Für Naturen wie die meine, die sich gerne festsetzen und die Dinge festhalten, ist eine Reise unschätzbar, sie belebt, berichtigt, belehrt und bildet.“

Eine Ausstellung in Ilmenau wendet sich Goethes Reisen und dem Reisen in der Goethezeit zu. Es geht um Ziele, Zwecke und Umstände, auch ihre Spiegelung in der Literatur – und um die Strapazen und Erfahrungen unterwegs.

Mehr lesen Sie hier in unserem Ausstellungsrundgang.

Die Tourbeschreibung zum Goethewanderweg, der vor der Haustür des Goethestadtmuseums Ilmenau beginnt und über den Kickelhahn nach Stützerbach führt, finden Sie hier.

„Ort und Werk“: Goethe, Felsen sollten nicht Felsen, gesprochen in der Hermannsteiner Höhle

Die Reihe „Ort und Werk“ stellt Gedichte und andere literarische Texte vor, gesprochen an Schauplätzen der Handlung, dem jeweiligen Ort ihres Entstehens oder – wie in diesem Falle – dem Platz, für den sie gemacht sind.

Goethe sendete das titellose Gedicht am 24. Juni 1784 an Charlotte von Stein. Er habe es der Hermannsteiner Höhle zugedacht. Lange zuvor, am 6. August 1776, im ersten Jahr Goethes in Weimar und beider Bekanntschaft, war die Felskammer am Fuß des Großen Hermannsteins Ort eines Tête-à-tête zwischen dem 26 Jahre alten Dichter und neu ernannten Geheimen Legationsrat und der sieben Jahre älteren Angebeteten. Damals hatte er ihr einige Tage später das Gedicht „Ach wie bist du mir, wie bin ich dir geblieben“ gewidmet, das den Zwiespalt seiner verbotenen Liebe zu der verheirateten Frau formuliert.

Im vorliegenden Gedicht – zwei Distichen, jeweils aus Hexameter und Pentameter gebaut – scheint der „Resignationstopos“, wie ihn die Literaturwissenschaft Goethes Liebenslyrik jener Zeit bescheinigt, kaum enthalten (bzw. nach der Zäsur im Vers quasi aufgehoben), und Goethebiografen wie Helmut Koopmann in seinem Buch „Goethe und Frau von Stein – Geschichte einer Liebe“ fragen sich, welche Hoffnung da erfüllt worden sei. „Oder hatte er sich, was seine Beziehung zu Charlotte anging, in ein Ideal verstrickt, dem nichts Tatsächliches mehr entsprach?“

👉Das Video finden Sie hier auf Instagram, die dazugehörige Tourbeschreibung hier.

Weiterlesen

„Ort und Werk“: Goethe, Wandrers Nachtlied (Ein Gleiches), gesprochen am Goethehäuschen bei Ilmenau

Die Reihe „Ort und Werk“ auf Poetenwege.de stellt Gedichte und andere literarische Texte vor, gesprochen an Schauplätzen der Handlung oder dem jeweiligen Ort ihres Entstehens.

Für Sigrid Damm ist es Goethes „vielleicht vollendetster ,Roman über das Weltall‘“, den er damals geplant, aber nicht realisiert habe. „Die Verse durchwandern in einem einzigen Bild- und Sprachklang gewordenen Gedanken den ganzen Kosmos.“ Gustav Seibt bewundert „das Minimum an Aufwand für ein Maximum an Wirkung“. „Das Gedicht ist klein, aber es strahlt Weite aus.“ Es kommt vor zum Beispiel in Daniel Kehlmanns „Vermessung der Welt“ (wenn auch als Paraphrasierung), wird zerpflückt in Georges Perecs „Die Maschine“ und auf Händen getragen in Milan Kunderas „Die Unsterblichkeit“, die in weiten Teilen auch ein Goetheroman ist.

„Wandrers Nachtlied (Ein Gleiches)“ gehört zu den bekanntesten Gedichten im deutschen Sprachraum und fand auch international Verbreitung. Goethe schrieb es am 6. September 1780 auf die Holzwand einer Jagdhütte auf dem Kickelhahn. Am 27. August 1831, dem Vorabend seines 82. Geburtstags, besuchte der Dichter den Ort noch einmal. Heute sind die Verse an gleicher Stelle in einem Nachbau des Ende des 19. Jahrhunderts abgebrannten Holzhauses in 16 Sprachen zu lesen (und das Original auf einem Foto zu sehen).

👉Das Video finden Sie hier bei Instagram, die Tourbeschreibung lesen Sie hier.

Ein Klassiker unter den Dichterwegen: Auf Goethes Spuren im Thüringer Wald

Vor 250 Jahren – im Mai 1776 – besuchte Goethe zum ersten Mal Ilmenau. Von Mitte Juli bis Mitte August blieb er dann vier Wochen da. Aus den Aufenthalten wurde (wenn auch mit einer großen Pause nach dem Scheitern der Bergbau-Ambitionen) eine lebenslange Verbindung.

Heute kann man auf dem Goethewanderweg auf den Spuren des Dichters wandeln. Er steuert verschiedene Goetheorte an, darunter den Kickelhahn mit dem Goethehäuschen, an dessen Holzwand der 31-Jährige im September 1780 „Wandrers Nachtlied (Ein Gleiches)“ schrieb. Aber auch andere Verse sind hier entstanden.

Die Tourenbeschreibung finden Sie, wenn Sie hier klicken.

Eine Zusammenfassung gibt es wie immer auf Instagram.

Buchbesprechung: Baden gehen mit Byron, Goethe & Co. – Eine Kulturgeschichte des Schwimmens

„Wir sind nicht geboren, um zu schwimmen. Wir sind geboren, um zu laufen“, schreibt der Autor Bernd Brunner gleich am Anfang seines Buchs. Aber manchmal ist es im Wasser auch ganz schön. Unter dem Titel „Abtauchen und treiben lassen“ geht es einmal quer durch die Geschichte des Badens und Schwimmens. Auch Dichterinnen und Denker sind dabei.

Die Rezension von Poetenwege.de finden Sie hier.

Die Repro unten zeigt eine Abbildung aus Oronzio de’ Bernardis „Vollständigem Lehrbegriff der Schwimmkunst auf neue Versuche über die spezifische Schwere des menschlichen Körpers gegründet“, Weimar 1797. Quelle: HarperCollins – mit freundlicher Genehmigung

„Ort und Werk“: Karel Hynek Mácha, „Máj“ (Auszug), gesprochen am Jarmilafelsen am Mácha-See

Die Reihe „Ort und Werk“ auf Poetenwege.de stellt Gedichte und andere literarische Texte vor, eingesprochen an Schauplätzen der Handlung oder dem jeweiligen Ort ihres Entstehens.

Den Auftakt bilden Verse aus dem Poem „Máj“ (Mai, 1836) des tschechischen Romantikers Karel Hynek Mácha, schaurig-schönes Nationalgedicht der Tschechen. In ihnen führt der Dichter Jarmila ein, die Geliebte seines zum Tode verurteilten Protagonisten Vilém, die diesen mit einem anderen Mann betrogen hatte, vom weiteren Geschehen seither noch nichts weiß und Vilém seit Tagen reumütig, aber vergebens erwartet. Die Jarmilina skála/Jarmila-Felsen nahe Staré Splavy/Thammühl am Ufer des heute nach dem Dichter benannten Máchasees gilt als Vorbild für den Handlungsort.

👉Das Video finden Sie hier bei Instagram, weitere Informationen in der Tourbeschreibung durchs Mácha-Land.

Wenig später, nachdem Jarmila vom Todesurteil gegen Vilém erfahren hat, der seinen Nebenbuhler erschlug, ohne zu wissen, dass es sich um seinen eigenen Vater handelte, heißt es:

Weiterlesen

Im Mácha-Land: Unterwegs mit einem tschechischen Romantiker und seinem wichtigsten Werk

Er gilt als Tschechiens wichtigster Romantiker und als Vorläufer der Moderne und blieb doch zeit seines kurzen Lebens verkannt. Sein Hauptwerk hat der Goethe-, Mickiewicz- und Lord-Byron-Verehrer auf eigene Kosten drucken lassen müssen. Später inspirierte es Generationen und erlangte nationale Bedeutung. Es geht um Karel Hynek Mácha und sein Poem „Máj“, dessen Handlung der Dichter am heute nach ihm benannten Mácha-See ansiedelte. Über allem thront hrad Bezděz/Burg Bösig, von wo sich ein Rundblick über Teile Nordböhmens bietet.

Den Beitrag über Mácha, „Máj“ und das Mácha-Land lesen Sie hier.

Eine Zusammenfassung gibt es wieder auf Instagram.

Baden und spazieren in Staré Splavy: Eine Sommerromanze, Widerstand und ein berühmter Sohn

Auch der zweite Ausflug auf Poetenwege.de führt nach Tschechien – an den Mácha-See, wo sich Baden und Wandern mit der Familiengeschichte von Miloš Forman verbinden. In Staré Splavy/Thammühl verbrachte der spätere Hollywood-Regisseur einen Teil seiner Kindheit und Jugend. Der Spaziergang verknüpft Schauplätze dieser Zeit und erzählt vom Schicksal seiner Eltern während der deutschen Okkupation.

Den Beitrag über Staré Splavy und Miloš Forman finden Sie, wenn Sie hier klicken.

Auf Instagram gibt es eine Zusammenfassung.

Ein Sommertag auf den Spuren von Goethe und Beethoven: Der Bořeň in Nordböhmen

Mein Blog startet mit Wandern, einem Freibad und mit Prominenz: Es geht nach Bílina/Bilin im Norden Tschechiens, nicht weit von Dresden oder Prag, etwas länger von Chemnitz entfernt.

Der Bořeň/Borschen, wegen seiner markanten Form auch „Biliner Löwe“ genannt, bietet einen grandiosen Blick auf Launer Steppenberge, Böhmisches Mittel- und das Erzgebirge, aber auch auf Braunkohletagebaue und -kraftwerke.

Alexander von Humboldt war hier. Goethe kam mit Beethoven vom nahen Kurbad Teplitz herüber.

Die Tourbeschreibung lesen Sie hier.

Eine Zusammenfassung gibt es auf dem Instagram-Account.