
Wilhelm Müller war im Mai und Juni 1824 auf Einladung Friedrichs Graf von Kalckreuth zwei Wochen lang in der Villa Grassi im Plauenschen Grund zu Gast. Das später abgerissene Gebäude befand sich auf Höhe der Weißeritzbrücke hinter dem Standort der späteren Felsenkellerbrauerei. Müller hatte ein Zimmer im zweiten Stock mit Blick auf die Bergseite bezogen, auf dessen Felsenterrasse gefrühstückt wurde, kletterte in den Hängen herum und verbrachte mehrere Stunden täglich gemeinsam mit seinem ebenfalls dichtenden Jugendfreund. Zusammen und allein wurden außerdem mehrfach Ludwig Tieck im nahen Dresden besucht und Carl Maria von Weber und seine Familie in Hosterwitz, den Müller zunächst nicht zu Hause antraf, aber dem er später auf der Elbfähre in Pillnitz begegnete.
Ansonsten freute sich der Dichter – wie er seiner mit den Kindern daheim in Dessau gebliebenen Frau berichtete –, wenn er nicht auf eine Fête oder ins Theater ging, „in meiner schönen Natur“ zu bleiben. „Könnt ich dich nur auf einen Moment hierher versetzen“, so Müller weiter, „wie die Zweige an meine Fenster schlagen und die Weißeritz in beständigem Rauschen über die Steine u[nd] über die Mühlendämme läuft und die Vögel draußen u[nd] drinnen; denn auch meine Stube hängt voll Vögel in Käfichten.“
Seinem Verleger Heinrich Brockhaus gestand der Dichter: „Das Wetter hat meinen ländlichen Aufenthalt überaus begünstigt. Aber eben darum bin ich beinahe gar nicht an die Feder gekommen […].“